Semesterschwerpunkt
Semesterschwerpunkt "Zusammen"

"Was eine Einheit bilden soll, muss verschieden sein."

Komplexität und Vielheit heißt: Es gibt viele Rekombinationsmöglichkeiten, viele Lösungen, kulturell und gesellschaftlich. Das macht die Überlegenheit der modernen Gesellschaft aus. Sie findet immer einen Weg. Aber das klappt nur, wenn wir noch besser lernen, mit Unterschieden klarzukommen. Das Aushalten von Differenz ist das Wichtigste. Jedes neue Wir baut auf diese Offenheit auf.
Armin Nassehi

Im neuen Semesterschwerpunkt spiegelt sich die Frage, was "zusammen" eigentlich bedeutet. In all seinen Ausprägungen, vom Politischen bis zur eigenen Partnerschaft, von der Familiengeschichte zum individuellen Suchen nach dem Selbst und nach Selbstbestimmung. Wenn wir ein Wir wollen, was machen wir dabei mit dem Ich? Was hält die Gemeinschaft zusammen, wenn sich Menschen aus Gruppenstrukturen der Vergangenheit lösen und dem Individuum immer mehr Bedeutung zukommt?

Was eine Einheit bilden soll, muss der Art nach verschieden sein, bringt Aristoteles es auf den Punkt. Was uns heute verbindet, kann nicht mehr aus Gleichmachung entstehen. Noch tun wir uns of schwer, das Auszuhalten und für uns zu nutzen: dass Diversität eine Ressurce ist und kein Handicap.

Seit 70 Jahren halten es acht einfache Worte in all ihrer Größe für uns fest: die Würde des Menschen ist unantastbar. Dass der Staat "sie zu achten und zu schützen" als Verpflichtung trägt ist nichts, das irgendwer irgendwo fern von meinem Alltag tut, nichts einmal Erreichtes. Eher eine Vision, die uns alle herausfordert. Weil "alle staatliche Gewalt vom Volke ausgeht", das aus uns Einzelnen besteht. Und sie stößt sich natürlich an Momenten der Wirklichkeit, wo ich einsehen muss, dass ich allein vieles eben nicht verändern kann.

Darum will das Semestermotto "zusammen" nicht nur Beispiele zeigen, wie aus dem Einzelnen eine Bewegung werden kann, sondern auch Einladen zum Mitreden und Mitmachen. Und klar, wer zur Volkshochschule kommt, kann das nur "zusammen": wenn Sie mit anderen eine Sprache lernen, Bulgarisch kochen oder auf Tagesfahrt gehen, über Fakenews diskutieren oder gemeinsam Totems schnitzen.

Wir betreten als Gesellschaft gerade Neuland im freien Miteinander, das auf dem Willen der Beteiligten beruht und nicht auf Regeln oder Zwang: in aktuellen Projekten der Bürgerbeteiligung, in alternativen Formen der Bildung, in der Art, unsere Kinder als Eltern zu begleiten, im Alltag unserer Partnerschaft, im Team auf der Arbeit wo Hierarchien verschwinden. Die Flexibilität, das Zusammenleben zum Wohle aller immer wieder neu auszuhandeln, braucht freilich mehr als ein theoretisches Ja zur Vielfalt. Übung. Viele Versuche. Optimismus. Der ist, sagt Luc Simonet, das Bewusstsein, dass wir Einzelne miteinander verbunden sind. Denn in der Begegnung zwischen undeterminierten, freien Menschen entsteht Initiative. Dann formen wir Zukunft - zusammen.




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