Fakta16

Demokratieweltmeister

Die skandinavischen Länder nehmen seit Langem Spitzenplätze im weltweiten Demokratieindex ein. Dieser ist eine von der Zeitschrift The Economist berechnete Aufstellung, die den Grad der Demokratie in 167 Ländern misst. Laut dem letzten Demokratieindex aus dem Jahr 2018 – er kann auf www.eiu.com heruntergeladen werden – ist Norwegen mit insgesamt 9,87 von 10 möglichen Punkten das demokratischste Land der Welt. Dann folgen Island und Schweden auf Platz zwei und drei, Neuseeland auf Position vier und Dänemark auf dem fünften Platz. Finnland erreicht hinter Kanada und Irland Position acht. Deutschland liegt erst auf Platz dreizehn.

Der 2018er Demokratieindex-Report zeigt neben ermutigenden Zahlen – wie z. B. der stark gestiegenen Beteiligung von Frauen in Wahlen und in der Politik weltweit – gleichzeitig ernüchternd einen abwärts gerichteten Demokratie-Trend in Europa.

Zum Verständnis: Der Index des Economist basiert auf fünf Kategorien, nämlich:

•    Wahlprozess und Pluralismus. Beispiel: „Sind die Wahlen frei und gerecht?“
•    Funktionsweise der Regierung. Beispiel: „Bestimmen frei gewählte Abgeordnete über die Politik der Regierung?“
•    Politische Teilhabe. Beispiel: Anteil der Staatsbürger, die laut der Umfrage World Health Survey Politik in den Medien (Radio, Fernsehen, Zeitungen) verfolgen.
•    Politische Kultur. Beispiel: „Gibt es einen ausreichenden gesellschaftlichen Konsens, der eine stabile und funktionierende Demokratie stützt?“
•    Bürgerrechte. Beispiel: „Wird vom Staat Folter angewandt?“

Die skandinavischen Länder trumpfen, wie die Tabelle unten zeigt, auch gegenüber Deutschland, das Platz 13 einnimmt, durch bessere Werte in mehreren Kategorien – wenngleich nicht im Hinblick auf die Bürgerrechte und auch nicht, mit Ausnahme von Norwegen, bzgl. der politischen Teilhabe der Bürger. Auffällig ist das deutlich höhere Ergebnis in der Kategorie „politische Kultur“. The Economist schreibt dazu: „Eine Kultur der Passivität und Apathie – eine gehorsame und fügsame Bürgerschaft – ist mit der Demokratie nicht vereinbar. Wahlprozesse spalten die Bevölkerung regelmäßig in Gewinner und Verlierer. Eine erfolgreiche politische Kultur zu haben bedeutet für das Land, dass die Verliererparteien und ihre Unterstützer die Wahlergebnisse anerkennen und einen friedlichen Machtwechsel ermöglichen.“

Die trotz aller Spitzenpositionen unterschiedlichen Zahlen zwischen den skandinavischen Ländern legen eine Bilanz nahe, welche die beiden Herausgeber des Bandes „Das politische Skandinavien“, Hennigsen und Jochem, ziehen: "Eine erste Erkenntnis … liegt darin, diese Vorstellung einer nordischen Homogenität in Frage zu stellen … Eine zweite Erkenntnis lautet, dass diese Heterogenität in den vergangenen zwei Dekaden eher noch zugenommen hat" (S. 262). Ursachen nach den dennoch hohen Demokratie-Werten der nordischen Länder berührt umgekehrt z. B. die Frage, woher der höhere Stellenwert von sozialer Gleichheit rührt. Der Beitrag von Alestalo u. a. im gennanten Sammelband meint dazu: "Die Gleichheit bzw. soziale Gerechtigkeit geht auf das historische Erbe geringfügiger Klassen- und Einkommensunterschiede zurück …"(S. 108). Und Jochem schreibt: "Vielmehr tragen eine abgesicherte Rechtsstaatlichkeit und ein immer noch kulturell verankerter Egalitarismus dazu bei, dass die Korruption im Norden so gering und das Vertrauen in Regierung und Demokratie so hoch ist" (S. 78f.).

Wenn Sie diese und weitere Aspekte um die Besonderheit der skandinavischen Gesellschaften spannend finden, kommen Sie doch zum Vortrag „Ist der Schwede ein Mensch ?“ am 16.06.

Quellen:
Democracy Index 2018 - The Economist Intelligence Unit Limited 2019
https://de.wikipedia.org/wiki/Demokratieindex
Bernd Hennigsen/Sven Jochem/Siegfried Frech (Hrsg.), Das politische Skandinavien. Gesellschaft, Wirtschaft, Politik & Kultur, Schwalbach/Ts. 2015 (Wochenschau-Verlag)
Armin Pfahl-Traughber : „Das politische Skandinavien“, https://hpd.de/artikel/12218


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