Fakta15

Grundeinkommen in Finnland

Zwei Jahre lang – 2017 und 2018 – bekamen 2.000 zufällig ausgewählten Arbeitslose in Finnland 560 Euro monatlich. Das entsprach ungefähr dem monatlichen Arbeitslosengeld. Die ausgewählten Personen im Alter zwischen 25 und 58 Jahren mussten das Geld nicht versteuern, durften in Teilzeitjobs arbeiten und dabei ohne Abzüge und Auflagen Lohn hinzuverdienen.

„Das bedingungslose Grundeinkommen in Finnland war ein weltweit beachtetes, teils bewundertes, teils aber auch kritisch gesehenes soziales Experiment. Die liberal-konservative Regierung hatte es nicht nur aus Neugier oder Fortschrittsglauben beschlossen, sondern auch aus blanker Not. Denn Finnland hatte 2016 die Wirtschaftskrise nicht wirklich überwunden. Die Arbeitslosigkeit war relativ hoch, der Arbeitsmarkt im radikalen Umbau und das Sozialsystem kompliziert und unflexibel. Deshalb der Gedanke mit dem Grundeinkommen. Es sollte helfen, die großen Verdienstunterschiede in der Bevölkerung zu verkleinern, das Sozialsystem zu verschlanken und die Menschen zu motivieren, sich erst einmal auch schlechter bezahlte oder Teilzeitarbeit zu suchen - oder am besten gleich ein kleines Unternehmen selbst zu gründen.“ (Tagesschau)

Die Auswertung des Experiments ist erst Anfang 2020 abgeschlossen worden und steht im Detail noch zur Veröffentlichung aus. Sicher ist, dass das finnische Experiment keine abschließende Antwort auf unterschiedliche Forderungen nach Grundeinkommen bieten kann. Jedoch erlaubt es interessante Einblicke in eine der möglichen Varianten, wie ein Grundeinkommen in Europa wirkt. 
Die erste Bilanz lautet: Das bedingungslose Grundeinkommen half nicht, Anreize für Arbeitssuchende am Arbeitsmarkt zu erwirken. Die Probanden arbeiteten im Jahr kaum mehr als eine Kontrollgruppe, die regulär Arbeitslosengeld bezog. Sie waren jedoch gesünder und blickten zuversichtlicher in die Zukunft.

Der Versuch hat die finnische Regierung im Jahr etwa zehn Millionen Euro gekostet. Das Grundeinkommen für alle wäre wohl zu teuer für die finnische Gesellschaft. Als Alternative zum bedingungslosen Grundeinkommen wird in einem kleinen Rahmen ausprobiert, ob finanzielle Sonderleistungen nur für Menschen geboten werden, die auch aus eigenem Antrieb etwas für die Gemeinschaft tun. Wahrscheinlicher ist, dass der Staat das bisher sehr komplizierte System der sozialen Sicherung seiner Bürger deutlich vereinfachen wird.

Kritiker an einer rein negativen Sicht auf die Ergebnisse verweisen auf die vielen Faktoren des Experiments, welche in die Auswertung hineinspielen.  "Zwei Jahre sind zu kurz, um umfassende Schlussfolgerungen aus dem Versuch zu ziehen. Um verlässliche Ergebnisse zu bekommen, hätten wir mehr Zeit und mehr Geld gebraucht", zitiert der Stern z. B. den an dem Projekt beteiligten Experten Olli Kangas aus finnischen Medien.

Das finnische Experiment ist einer von mehreren spannenden Versuchen mit unterschiedlichen Grundeinkommen-Ideen. Seit 2018 läuft ein von Silikon-Valley-Unternehmern mitfinanziertes Großprojekt in Kenia, bei dem bis über 12 Jahre hinweg Menschen durch ein Grundeinkommen unterstützt werden. Das Projekt liefert bisher sehr positive Ergebnisse und schlägt die Effizienz klassischer Entwicklungshilfe.

In Deutschland finanziert die private Crowdfunding-Initiative "Mein Grundeinkommen" nach eigener Darstellung in Deutschland derzeit 167 Grundeinkommen. In der Schweiz entschieden Die Bürger 2016 bei einer Volksabstimmung gegen die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens.


Quellen:
https://www.focus.de/finanzen/karriere/test-in-finnland-fazit-nach-zwei-jahren-grundeinkommen-gesuender-aber-nicht-mehr-arbeit_id_10301234.html
https://www.stern.de/wirtschaft/news/grundeinkommen--finnland-beendet-experiment-und-testet-andere-idee-7957764.html
https://www.focus.de/finanzen/news/regierung-will-alternativen-testen-grundeinkommen-experiment-in-finnland-laeuft-aus-und-wird-nicht-verlaengert_id_8819598.html
https://www.stern.de/wirtschaft/news/grundeinkommen-kenia-erfahrung-7601294.html
https://www.wiwo.de/politik/europa/experiment-in-finnland-so-geht-es-den-teilnehmern-nach-zwei-jahren-grundeinkommen/23779368.html


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