Filmgespräche

In einer Einführung verortet ein Referent/ eine Referentin den Film in seiner Entstehungs- und Wirkungsgeschichte. Es werden Zusammenhänge zum Gesamtwerk des Regisseurs oder zu anderen Filmen aufgezeigt. Für ein „tieferes“ Verständnis helfen auch genauere Blicke auf Details und ihre Machart. Um fremdsprachliche Filme besser zu verstehen, werden auch Schlüsselvokabeln oder sprachliche Besonderheiten erläutert. Ein offener Meinungsaustausch rundet das Filmerlebnis ab. Pro Semester widmen wir uns einem ganz speziellen Thema, unter dem wir die Filme aussuchen.

Filmreihe "Eigensinn"

Eigensinn = hartnäckiges Beharren auf einer Meinung, Absicht o.Ä. Diese Definition gibt der Duden. Ist das nun eine positive oder negative Charaktereigenschaft? Nun, eigensinnige Menschen haben zwar eine feste Überzeugung, sie lassen sich mitunter aber durchaus von Argumenten und der Kritik anderer überzeugen. Das unterscheidet Eigensinn von Starrsinn oder Dickköpfigkeit. Dennoch haben sie natürlich grundsätzlich eher Probleme mit gewissen Autoritäten oder Normen und ecken dadurch nicht selten an. Mit Personen aus dem Umfeld, anderen Bevölkerungsschichten, der Gesellschaft, manchmal auch mit dem eigenen Wissen und Gewissen.

Keine Frage: Eigensinn birgt ein gewisses Konfliktpotenzial. Und das ist natürlich ein gefundenes Fressen für Filmschaffende. Konflikte abzubilden, sei es die inneren, seelischen Konflikte von einzelnen Individuen oder ganz explizit die Auseinandersetzung zweier Personen oder Gruppen – das war schon immer die Haus- und Hofdisziplin der Filmindustrie. Klar, dass man da auch jederzeit gerne auf besonders eigensinnige Charaktere als Katalysatoren zurückgegriffen hat. Aber nicht nur als „Troublemaker“ eignen sich eigensinnige Personen für Filme. Schließlich kann Eigensinn auch in die umgekehrte Richtung funktionieren. Das Beharren auf der eigenen Meinung kann ebenso Vorbild und ein gutes Beispiel für andere Menschen sein. Welcher (Alltags)-Held war denn zum Beispiel nicht zumindest zu einem Mindestmaß eigensinnig?

In unserer aktuellen Filmreihe wollen wir selbstverständlich beide Seiten des Eigensinns näher betrachten – die Konfliktreiche, ebenso wie die Vorbildhafte. Und nebenbei konnten wir uns mit dem Titel der Filmreihe einen kleinen Seitenhieb auf den geografischen Semesterschwerpunkt (Britische Inseln) des VHS Programmhefts nicht verkneifen: Stichwort Brexit. Als „Entschädigung“ dafür gibt es in diesem Semester aber eine Häufung an Filmen aus Großbritannien, natürlich in der englischen Originalfassung.

Den Auftakt macht fast schon ein moderner Klassiker. „Billy Elliot“ ist die Blaupause für all diejenigen, die sich trotz widrigster Umstände nicht von ihrem Weg abbringen lassen und ihr Ding durchziehen. Ungeachtet jeglicher Konventionen. Für den jungen Billy aus dem Nordosten Englands soll es eben nicht Fußball sein, sondern Ballett. Weil er es so möchte. Und auch bei den französischen „Nachbarn“ haben junge Menschen Träume. Die 16jährige Marième wächst in einem Banlieue im Großraum Paris auf. Es bieten sich nur wenige Chancen, gerade für Jugendliche mit schwarzer Hautfarbe. Doch das Mädchen hat den Willen sie zu ergreifen.

Richtig explosiv wird es, wenn zwei Menschen aufeinandertreffen, die Eigensinn buchstäblich verkörpern. Andrew, der der beste Schlagzeuger der Welt werden will trifft auf Fletcher, der mit unerbittlicher Härte seinen Schülern nichts weniger als Perfektion abverlangt. „Whiplash“ ist eine Wucht, nicht nur musikalisch. Konfliktreich wird es auch, wenn man Individuen jeglichen Eigensinn zu verwehren versucht. Diese schmerzvolle Erfahrung müssen einige Jugendliche in „Alles, was wir geben mussten machen“, als sie ihrer wahren Bestimmung langsam auf den Grund kommen.

Wer in Zeiten einer exzessiven Konsumgesellschaft ein Zeichen setzen möchte, muss ebenfalls zumindest ein Mindestmaß an Eigensinnigkeit mitbringen. So wie z.B. David Groß, der in „Wastecooking“ überall dort aktiv wird, wo Lebensmittel aus reinem Überfluss und Verschwendung weggeworfen werden. Und wenn dann sogar mal ein ganzes Dorf an einem Strang zieht und sich nicht beirren lässt, geschehen sogar noch echte ökologische Wunder. Eine elsässische Stadt macht es in „Qu'est-ce qu'on attend?“ beispielhaft vor.

Freuen Sie sich mit uns und unseren Kooperationspartnern auf diese und zahlreiche andere Filme in unserer neuen Reihe „Eigensinn“. Abgerundet wie immer mit anregenden Diskussionen im Anschluss an die Filme.

Hier gelangen Sie zu einer Übersicht der Filme.

Auch als Broschüre ist unsere Filmreihe im PDF-Format downloadbar

Sie finden die Broschüre darüber hinaus auch in gedruckter Version im VHS-Unterrichtsgebäude und in allen öffentlichen Auslagestellen.

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